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Was der Fluss behält

Episode 1 — Das Haus am Wehr

Was der Fluss behält

Das Haus am Wehr

Episode 1 · 234 Wörter · 1 Min. Lesezeit

Der Makler hatte gesagt, man solle das Haus vor der Besichtigung lüften, und Teresa hatte darüber gelacht, weil dieses Haus seit vierzig Jahren nichts anderes tat als lüften. Es war nie dicht gewesen. Im Winter kam der Wind durch die Nordwand, im Sommer der Fluss durch den Keller.

Sie kam als Erste an, wie immer. Zwei Stunden vor den Brüdern, wie immer. Es war keine Absicht mehr, es war eine Gewohnheit, die sich als Charakter verkleidet hatte.

Der Schlüssel lag noch unter dem dritten Stein links. Niemand hatte ihn in vierzig Jahren woanders hingelegt, und niemand hatte in vierzig Jahren eingebrochen, was Teresa mehr über das Dorf sagte als über die Sicherheit.

Innen roch es nach kaltem Stein und dem Papier alter Zeitungen. Die Möbel standen, wo sie immer gestanden hatten. Auf dem Küchentisch lag ein Wachstuch, das ihre Mutter 1998 gekauft hatte, weil das alte zu bunt gewesen war.

Teresa setzte sich und tat zwanzig Minuten lang nichts.

Dann ging sie in den Keller, weil sie wusste, dass sie es tun würde, und weil sie es lieber allein tat als mit Micha und Ben im Rücken.

An der Kellerwand standen die Hochwassermarken. Ihr Vater hatte jede eingeritzt, mit Jahreszahl, ordentlich, wie er alles gemacht hatte. 1981. 1988. 1994. 2002. 2013.

Und eine ganz oben, höher als alle anderen, tiefer eingeritzt, fast wütend.

Ohne Jahreszahl.

Teresa stand davor, bis sie oben die Autotür hörte.