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Nordlicht-Protokoll

Episode 1 — Elf Tage Funkstille

Nordlicht-Protokoll

Elf Tage Funkstille

Episode 1 · 232 Wörter · 1 Min. Lesezeit

Der Hubschrauber setzte auf, und Ida Bergmann wusste in der Sekunde, in der die Kufen den Schnee berührten, dass sie zu spät kamen. Nicht weil sie etwas sah. Weil sie nichts sah.

Eine Station, in der Menschen leben, hat Spuren. Trampelpfade zwischen den Modulen, Schneeschaufeln an der falschen Stelle, ein Schlitten, den niemand weggeräumt hat. Station Kirkenes Nord lag da wie eine Aufnahme aus dem Konstruktionsbüro: drei Container, eine Antenne, kein Weg.

„Elf Tage", sagte Sørensen über Funk. „Bei dem Wind hätte alles zugeweht sein können."

„Nicht der Sockel der Antenne", sagte Ida. „Der ist frei."

Es war still im Kanal.

Die Schleuse war nicht verriegelt. Innen war es warm, siebzehn Grad, das Licht brannte, und auf dem Tisch im Gemeinschaftsmodul standen vier Becher, alle leer, alle sauber. Der Ofen war aus. Der Kühlschrank lief.

Ida ging die Kojen ab. Vier Betten, vier Schlafsäcke, ordentlich zugezogen. Persönliche Sachen an ihrem Platz: eine Brille, ein Buch mit Eselsohr auf Seite 212, ein Foto von zwei Kindern im Sommer.

Niemand packt für eine Flucht die Brille aus.

Im Laborcontainer fand sie das Logbuch, aufgeschlagen, ein Stift daneben. Die Einträge waren mit Datum und Uhrzeit versehen, in vier verschiedenen Handschriften, wie es bei vier Personen im Schichtdienst sein soll.

Sie blätterte zum letzten Eintrag und sah aufs Datum.

Der letzte Eintrag war von heute. Von vor zwei Stunden.

Und er war in einer fünften Handschrift.

Elf Tage Funkstille — Nordlicht-Protokoll — Senserials