Der Plan für den Sommer war fertig, bevor der Sommer anfing, und er bestand aus einem einzigen Punkt: nichts.
Jule hatte ihn ihrer Mutter beim Abendessen vorgetragen, in ganzen Sätzen, mit Begründung, wie man das macht, wenn man siebzehn ist und weiß, dass man sonst überstimmt wird.
„Hundert Tage", hatte sie gesagt. „Kein Praktikum, kein Ferienjob, keine Orientierungsphase. Ich habe zwölf Jahre lang jeden Tag etwas gemusst. Jetzt muss ich hundert Tage lang nichts."
Ihre Mutter hatte den Löffel hingelegt und sie angesehen, länger als nötig.
„Okay", hatte sie gesagt.
Das war das Beunruhigendste an dem ganzen Abend gewesen.
Tag eins begann um 11:40 Uhr, weil Jule beschlossen hatte, dass er dann begann. Sie machte sich Toast, setzte sich auf den Balkon und wartete darauf, dass das große, weiche Nichts einsetzte, von dem sie seit Februar geträumt hatte.
Es setzte nicht ein.
Stattdessen setzte um 12:15 Uhr ein Möbelwagen vor dem Haus gegenüber ein, und aus dem Möbelwagen kamen: sechs Kisten, ein Bett, ein Schreibtisch, eine Zimmerpflanze, die den Transport nicht überlebt hatte, und ein schwarzer, rechteckiger Kasten, den zwei Leute tragen mussten.
Jule wusste, was in so einem Kasten ist. Sie hatte vier Jahre Musikschule hinter sich und war froh, dass es hinter ihr lag.
Sie sah dem Kasten nach, bis er im Hausflur verschwand, und dachte: Hoffentlich übt der tagsüber.